Input für mehr Output

„Die Grenzen sind wieder offen“ texteten wir Ende Juli noch für unseren Kunden FLYP, der sich der unkomplizierten Suche qualifizierter Fachkräfte verschrieben hat. Jetzt schließt Ungarn seine Grenzen wieder und die Regierung veröffentlicht eine Reisewarnung nach der anderen. Die für Ibiza kam für den Mann aus Klosterneuburg oder doch Wien drei Jahre zu spät. Wollen wir nicht hoffen, dass sie grundsätzlich zu spät ausgesprochen wurden. Die Zahl der infizierten Urlaubs-Heimkehrer*innen beunruhigt ein bisschen, obgleich wir wissen, dass Covid-19 mit Sicherheit kein Reiseproblem, sondern vielmehr ein Verhaltensproblem ist. Oder doch wieder einmal ein Bildungsproblem? Dass die meisten Leute ihre Bildung aus der BILD (zu österreichisch KRONE) haben, besangen schon die Ärzte in ihrem Hit „Lasse Redn“. Sind es tatsächlich nur die, bei denen sich seit Wochen das psychologische Phänomen Reaktanz nährt? Trotzigen Kleinkindern gleichtuend halten sie sich nicht mehr ausreichend konsequent an Hygiene- und Abstandsregeln; weil sie die Nase (und den Rachen) voll von Corona haben? Sind es tatsächlich nur die, dann erinnern wir uns an das Stimulus-Response-Modell der Medienwirkungsforschung und an deren mehrfache Widerlegungen. Medieninhalte werden nicht von allen Rezipient*innen gleich wahrgenommen und schon gar nicht lösen sie in der Folge nahezu identische Reaktionen aus. Genau darum braucht es deutlich mehr fachgerechten Input von Medien um niveauvollen Output zu bekommen. Dem Journalismus darf der gute, weil kritische, nachbohrende und investigative Nachwuchs nicht abhandenkommen. „Es gibt keinen Spielraum für Nachlässigkeiten“, konstatierte vor wenigen Tagen EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides bezogen auf unseren derzeitigen Umgang mit dem Virus. Fünfe gerade sein lassen schleicht sich nach und nach auch in der Kommunikationsbranche ein. Und das nicht der überquellenden Mail-Boxen wegen. Auch wir müssen über das gelungene Wortspiel vom (Baby-)Elefanten, der zur Mücke wird, schmunzeln, über den Kern der Aussage allerdings die Stirn runzeln. Nicht (nur) Corona wegen müssen wir wieder achtsamer werden und eine der komplexesten, aber wohl auch genialsten Erfindungen der Natur, die sich im Laufe der Evolution gemäß wissenschaftlichen Erkenntnissen vom VW Polo zum Touareg wandelte, wieder vermehrt arbeiten lassen: das menschliche Gehirn. „Eine geballte Macht an Hirnen“ wird es übrigens laut Genforscher Josef Penniger auch sein (und natürlich Geld), die einen wirksamen Impfstoff gegen das Corona-Virus bewirken wird (werden). Ich vergrößere mir endgültig die Schrift von 10 auf 11 Verdana und gönne mir wieder einige geschriebene Zeilen meines ersten Lehrmeisters, anno dazumal Sportchef bei der „Presse“, dessen Wiedersehen Mitte August nach zwei Jahrzehnten herzerfrischend war und der jetzt unter Metzger.live beispiellos bloggt.

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Von | 2020-09-07T17:19:49+00:00 31. August 2020|Tags: |