Mit Abstand am lässigsten oder lästigsten: Wie viel Social Media darf es sein?

„Facebook ist nicht Goethe“ lesen wir im Schaufenster einer Buchhandlung. Und einmal mehr diskutieren wir im Team ob überhaupt und wenn, wie viel Social Media sein muss oder auch darf, welche Informationen wir bieten sollen oder auch wollen. Facebook, Youtube, Xing, LinkedIn, Instagram und Twitter beschäftigten uns täglich, da waren wir mit ImPressRoom noch gar nicht vertreten auf den Plattformen, wo man (angeblich) vertreten sein muss. Es ist vorrangig die Frage, welche Inhalte man bieten muss, damit wir Vielleserinnen nicht verärgert sind, unsere Zeit lieber in wirklich guten Lesestoff von ausgezeichneten Autor*innen investiert zu haben, die uns bewegt. Jede Minute (!) werden alleine auf Youtube 400 Stunden Videomaterial hochgeladen. 2019 stieg das mobile Datenvolumen laut der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR) um 30 Prozent auf 1900 Petabyte. Wer sich wie wir fragt, wie viele Nuller das sind: 1 PB = 1.000.000.000.000.000B. Diese Zahl wird sich 2020 corona-unterstützt wohl vervielfachen. Was das in Serverlandschaften und Serverkapazitäten und damit unter anderem auch für unsere Umwelt heißt, konnten wir leider nicht ausreichend validieren. Nichts desto trotz haben wir uns zum 17. Geburtstag ein LinkedIn- und Facebook-Profil geschenkt. Ob das tatsächlich ein Geschenk ist oder doch jugendlicher Leichtsinn war, wird sich zeigen. LinkedIn-Mails mit Formulierungen wie „Kontakte sind wichtiger als jedes Wissen“ überzeugen uns nicht nur nicht, sondern heizen erneut einmal mehr unsere ohnehin schon lebhaft geführten, täglichen Diskurse an. So wie auch die Reise unserer Mitbürger*innen nach Italien über die Schweiz oder Kund*innen im Supermarkt ohne die augenscheinlichste aller Corona-Maßnahmen. Wir möchten es keinesfalls im Kurz-Jargon sagen, aber die Dummheit nimmt zumindest in Einzelfällen kosmische Dimensionen an und findet leider gerade in sozialen Netzwerken pandemiehafte, ungefilterte Verbreitung. Die Sonne, die wir in den vergangenen Tagen vermisst haben, lässt jetzt offenbar in Form einer stacheligen Mikrobe unsere Eigenverantwortung und unseren Hausverstand dahinschmelzen. Und diese Mikrobe macht im Unterschied zu uns Menschen keinen Unterschied zwischen Rassen, sozialen Schichten oder Staaten. In unserem vorerst letzten Corona-Extra „Mit Abstand“ wollen wir noch einmal wachrütteln, denn manche von uns verhalten sich, als hätten sie das alles nur geträumt. Es gilt aus diesem narkoseähnlichen Zustand zu erwachen und zu reagieren – und zwar nicht nur mit einem Like! Die Betonung liegt in diesem konkreten, unserem Fall ausnahmsweise auf „nicht nur“. Denn mit unseren Social Media-Auftritten wollen wir jedenfalls wahrhaftig kommunizieren und damit neue Leser*innen für unseren Blog gewinnen, unseren Kund*innen eine zusätzliche Plattform bieten, (noch) mehr Profil zeigen und stärker Einblick in unseren Agenturalltag gewähren – und freuen uns über viele Daumen nach oben. Vor allem nutzen wir als überzeugte Wissenschaftlerinnen unsere Social Media-Kanäle aber auch für eine Feldstudie, deren Erkenntnisse unseren Kund*innen zugutekommen sollen. Denn um mit Goethe zu schließen: „Zur Methode wird nur der getrieben, dem die Empirie lästig wird.“

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Von | 2020-06-30T10:46:52+00:00 10. Juni 2020|Tags: |