Mit Abstand am persönlichsten: das stille Örtchen

Via Zoom eröffnet die Volksschullehrerin mit einer auf einem Besenstiel montierten Fahrradklingel den Unterricht und erklärt meinen Jungs ihre Aufgaben für den heutigen Home School-Tag. Mit Daumen nach oben bestätigen alle Kinder den Auftrag verstanden zu haben und ich bin jetzt nicht mehr nur in Gedanken bei meiner Arbeit. Der Computer ist bereits hochgefahren und ich versuche voll durchzustarten, denn es bleiben lediglich knappe zwei Stunden, in denen mein Nachwuchs beschäftigt ist. Nach nur zwei Minuten, nicht die ersten Fragen an die Mama (jetzt kurz wieder nicht PR-Beraterin), sondern ein schnippisches Wort für den Zwillings-Bro, der sooo lost ist. Und dann natürlich das passende Kommentar zurück: „Was los digga?“. Und dann wieder ein Raunzen mit dem Hinweis, dass man selbst das schon vor 500 Jahren erledigt hat. Damit keine Fetzen fliegen, bleibe ich in der Mutterrolle – und mein Mann bleibt sitzen, mit hochgelagerten Beinen auf der Terrasse in der Sonne, vertieft in eine Biographie von Jürgen Klopp. Es sind die letzten (!) sieben Seiten. Hin und wieder genießt immerhin unser Kater seine Zuwendung. Erst jetzt bemerke ich, dass der große Bruder der Streithanseln auch im Garten weilt und mit der letzten (!) Rolle Klopapier neben unserem Natur-Pool das Gaberln übt. Ich schnappe meinen Laptop. In der Hoffnung, endlich ausreichend Ruhe für meinen Pressetext zu finden, versuche ich es Peter Handke und seinem „vierten Versuch“ gleichzumachen und richte meine Aufmerksamkeit auf „den Stillen Ort“. Silentium. Ein passenderes Synonym gibt es in diesen Tagen gar nicht für Toilette, denke ich und schon ruft mich mein Mann, das Buch dürfte er zu Ende gelesen haben. Er wollte nur wissen, wo ich bin. In Zeiten von Quarantänen eine erheiternde Frage. Und eine beruhigende Erkenntnis: Das stille Örtchen, das (doch) keines ist. Denn wer will bitte schon Mails, Texte oder gar Konzepte lesen, die auf dem Häusl (nicht zu verwechseln mit häuslicher Quarantäne) erledigt wurden? Um im Fachjargon zu bleiben: Allesamt wären sie ein Griff ins Klo(sett), zumindest für mich.

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Von | 2020-04-26T18:42:10+00:00 31. März 2020|Tags: |