Stilistische Entscheidung

„Kuschelst du dich noch kurz zu mir?“, fragte mich vor kurzem mein seit kurzem offiziell jugendlicher Sohn und ließ mein Mutterherz höher schlagen, bevor es nur wenige Augenblicke später hart auf den Boden (der Realität) knallte. „So kann ich noch ein paar Minuten rausholen und im Bett chillen.“ Ich schob mein verletztes Mama-Ego zur Seite und legte – nicht kuschelte – mich neben ihn. Mit einem dennoch zufriedenen Lächeln, weil mir Wörter wie „chillen“ längst vertraut sind. Ich gehe mit der Zeit. Meine Recherche für einen Pressetext nur wenige Stunden später zeigte mir allerdings wie sehr ich der alten Sprache verfallen bin. Ich schreibe gerne (statt gern), nochmals (statt nochmal) und alleine (statt allein). Angeblich sind das die älteren, unüblicheren und nicht empfohlenen Schreibformen. Unzufrieden googelte ich eifrig weiter und resümierte letztendlich für mich erfolgreich: Es ist auch eine stilistische Entscheidung, ob ich eine Endung „s“ oder „e“ wähle. Sie ist der Umgangssprache näher. Eine für mich nicht unwesentliche Erkenntnis, weil diese Sprache nicht nur in Dialogen in Romanen, sondern beispielsweise auch in Mitarbeiter*innen-Zeitungen oder Blogs Sinn macht. Und ich beschließe dieses Wissen mit anderen in unserem Blog zu teilen und verfasse einen Beitrag. Die digitale Welt ist ja eine, mit der ich mich – vor allem als Kommunikationswissenschaftlerin – arrangieren muss. Die Dosis macht bekanntlich das Gift. Und ich ergänze mit der Zeit gehend: der Inhalt.

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Von | 2020-10-04T14:10:38+00:00 30. September 2020|Tags: |